Feierliche Veranstaltung zum 15-jährigen Jubiläum der NORDMETALL-Stiftung. Feierliche Veranstaltung zum 15-jährigen Jubiläum der NORDMETALL-Stiftung.

15 Jahre NORDMETALL-Stiftung: Gestalten statt verwalten

Seit 15 Jahren leitet Kirsten Wagner die NORDMETALL-Stiftung – Zeit für eine Bilanz über Vertrauensbildung, Weitblick und gute Förderung, die mehr braucht als Geld.

Wenn Kirsten Wagner über Stiftungsarbeit spricht, fällt schnell ein Wort, das nüchtern klingt und doch viel erzählt: Vertrauen. Seit 2011 führt sie die NORDMETALL-Stiftung als Geschäftsführerin. In dieser Zeit hat sie nicht nur die Stiftung weiterentwickelt, sondern auch deren Förderarbeit. Aus einer reinen Förderinstitution ist eine starke Stimme für den Norden geworden, die den Anspruch hat, Themen zu setzen, Netzwerke zu knüpfen und gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten. „Mich treibt es an, wenn aus einer guten Idee gemeinsames Arbeiten wird – und daraus ein positiver Beitrag für die Gesellschaft entsteht“, sagt Wagner.

Vier Personen beim Empfang der NORDMETALL-Stiftung, feiern und stoßen an.
Gremien der Stiftung vereint anlässlich der Verleihung der Ehrensenatorwürde an Walter Conrads (2. v. l.): Folkmar Ukena (l.), Kirsten Wagner und Thomas Lambusch (r.).

Impulse statt Anträge

Gegründet wurde die Stiftung 2004 vom Arbeitgeberverband NORDMETALL. Sie ist dem Stifter eng verbunden und zugleich eigenständig in ihrer Arbeit. Genau darin sieht Wagner eine Stärke: „NORDMETALL hat mit der Stiftung früh gezeigt, dass wirtschaftliches Interesse und gesellschaftliche Verantwortung zusammengehören. Ein starker Norden braucht gute, praxisnahe MINT-Bildung, lebendige Kulturangebote und Menschen, die sich füreinander engagieren.“ Eine zentrale Rolle spiele dabei auch der hoch engagierte ehrenamtliche Vorstand, so Wagner. Er verbindet die Perspektive des Stifters mit der fachlichen Arbeit der Stiftung – und gibt den langfristigen Linien Rückhalt, die es für wirkungsvolle Förderung braucht.

Anfangs habe die Arbeit stärker auf eingehende Anträge reagiert. Heute entstehen Programme aus intensiven Planungen mit Kooperationspartnerinnen und -partnern, aus Feldbeobachtungen und aus der Frage, wo begrenzte Mittel eine spürbare positive Wirkung erzeugen können. Im Bereich Bildung geht es der Stiftung zum Beispiel darum, junge Menschen für Technik und Informatik zu begeistern. Programme wie das Netzwerk „MINT-Schule“ oder „zukunft.digital“ setzen deshalb auf Lehrkräfte und Schulen, die neue Ansätze entwickeln und weitergeben. „Es reicht nicht, ein gutes Projekt zu fördern und dann auf das Beste zu hoffen“, sagt Wagner. „Spannend wird es, wenn gute Erfahrungen bereitwillig geteilt werden und in feste Strukturen übergehen.“ Ähnlich arbeitet die Stiftung in Kultur und Gesellschaft: Sie unterstützt Museen und Musikfestivals dabei, neues Publikum zu erreichen, und stärkt Initiativen, die demokratisches Engagement in die Breite tragen.

„Gute Förderung beginnt oft ganz einfach: mit Zuhören, Vertrauen und der Bereitschaft, gemeinsam den ersten Schritt auf das gemeinsame Ziel zuzugehen.“

Kirsten Wagner

Vertrauen macht Wirkung

Dass Förderung mehr sein kann als ein Bewilligungsbescheid, beschäftigt Wagner auch über die eigene Stiftung hinaus. Im Bundesverband Deutscher Stiftungen und im Webtalk #ImpulseStiften setzt sie sich für zeitgemäße Förderpraxis ein: weniger bürokratischer Aufwand, mehr Vertrauen und Transparenz. „Ein Bericht kann wichtig sein“, sagt sie. „Aber manchmal lernt man in einem ehrlichen Gespräch auf Augenhöhe mehr als aus zehn Seiten Papier.“ Gerade Krisen hätten gezeigt, wie schnell sich Rahmenbedingungen ändern können. Dann brauche es Förderer, die zuhören und nicht an überholten Plänen festhalten.

Was Wagner nach 15 Jahren NORDMETALL-Stiftung gelernt hat? Dass gesellschaftliche Wirkung Zeit braucht – und Menschen, die dranbleiben. „Mich beeindruckt, wie viel Verantwortung vor Ort übernommen wird: in Schulen, Vereinen, Museen, Kommunen. Aufgabe einer Stiftung ist es, diese Energie nicht zu überfordern, sondern gute, verlässliche Strukturen zu schaffen.“ Freude mache ihr vor allem, wenn Verbindungen entstehen, die vorher nicht selbstverständlich waren – etwa zwischen Zivilgesellschaft und Verwaltung oder Zusammenschlüsse von vormals konkurrierenden Musikfestivals.

Fünf Personen diskutieren bei einem Meeting im Büro.
Teamarbeit in der NORDMETALL-Stiftung: Kirsten Wagner im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen.

Mit langem Atem

Die kommenden Jahre werden aus ihrer Sicht nicht einfacher. Technologischer Wandel, gesellschaftliche Spannungen und knappe Ressourcen fordern auch Stiftungen heraus. Wagner sieht darin keinen Grund für Rückzug, sondern für Konzentration. „Wir müssen genauer hinschauen: Wo können wir wirklich etwas beitragen? Wo braucht es uns – und wo sind andere besser aufgestellt?“

Nach 15 Jahren klingt das nicht nach Routine, eher nach wacher Neugier. Wagner spricht von Dankbarkeit für starke Partnerinnen und Partner, Respekt vor ehrenamtlichem Engagement und Verantwortung im Umgang mit begrenzten Mitteln. Ebenso wichtig sei die konstruktive Zusammenarbeit mit einem kompetenten Kuratorium und Vorstand, die der Stiftung Rückhalt und Orientierung geben.

Fotos: David Ausserhofer / Bundesverband Deutscher Stiftungen; Marco Heyda; Christian Bittcher, TU Hamburg; Michaela Kuhn, Licht Form Arte; Adobe Stock (andrei)

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