Es beginnt selten mit der großen Geste – eher mit einer Frage im Team: Wen erreichen wir mit unserem Angebot – und wen nicht? Seit 2019 lädt „Das relevante Museum“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kunst- und Ausstellungshäusern dazu ein, Antworten auf diese Frage gemeinsam zu erproben. Aus einem lokalen Symposium der NORDMETALL-Stiftung ist ein international vernetztes Programm gewachsen, an dem inzwischen rund 20 Institutionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt sind – mit einem jährlichen Arbeitstreffen auf Schloss Hasenwinkel als Fixpunkt und einer Partnerstiftung in der Schweiz, der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (Winterthur).
Fünf Jahre nach dem Auftakt liegt jetzt eine externe Evaluation vor. Sie fällt deutlich aus: Das Programm schafft Räume für Reflexion, Austausch und Innovation jenseits des Museumsalltags. 85 Prozent der Befragten bewerten die Formate positiv, zwei Drittel fühlen sich in ihrer beruflichen Entwicklung gestärkt, 88 Prozent sind ermutigt worden, neue Methoden auszuprobieren. Insgesamt findet ein Prozess der Öffnung nach außen und innen statt, denn rund 60 Prozent der Befragten berichten von spürbaren Veränderungen in der internen Zusammenarbeit in ihren Häusern.
Zusammenspiel statt Einzelhebel
Wodurch entsteht die Wirkung im Programm? Die Evaluation beschreibt kein singuläres Rezept, sondern ein Zusammenspiel: abteilungsübergreifende Teams, ein sicherer Rahmen für offenes Sprechen und kollegialen Austausch, der Mix aus unterschiedlichen Formaten und Perspektiven. So wird Lernen zur Haltung, Ideen entstehen und verankern sich in der Praxis. „Kollaborativ die Zukunft der Museen zu entwickeln, heißt für uns: Raum für individuelle Fragen geben, Neues ausprobieren und gemeinsam weiterentwickeln“, beschreibt Katja Stark, Bereichsleitung Kultur der NORDMETALL-Stiftung, das Programm. Die Evaluation nennt zugleich Hausaufgaben für kommende Jahre: mehr soziale Diversität im Netzwerk und zusätzliche Zeitfenster für Vertiefung. Zudem lohnt der Blick in Regionen, die bislang seltener vertreten sind, sowie eine nachhaltige Dokumentation der Ergebnisse.
Besucherorientierung, (digitale) Teilhabe, neue Narrative, Komplexitätsreduktion: Mit wechselnden Jahresthemen stärkt das Programm eine dialogische, partizipative Haltung gegenüber Publikum und Gesellschaft. Inspiriert und begleitet wurden beispielsweise partizipative Projekte wie die Häkelgespräche im Altonaer Museum, eine offene Werkstatt, in der Häkeln als niedrigschwelliger Gesprächsanlass dient. In offener Runde kommen Interessierte miteinander ins Gespräch darüber, wie ein Museum der Zukunft aussehen kann – begleitet von Expertinnen und Experten. Sie strukturieren den Austausch, halten Ideen fest und übersetzen sie in konkrete Hinweise für Vermittlung und Programm. Die Rahmenbedingungen der Veranstaltung sind bewusst einladend: kostenfrei, Material vor Ort, Kinder willkommen. So wird die Säulenhalle des Museums zeitweise zum „Wohnzimmer“ des Stadtteils. „Museen bewegen sich im Rahmen besucherorientierter Ansätze stärker in den Alltag ihres Publikums – und erreichen zunehmend neue Zielgruppen“, fasst Stark zusammen.


Vertiefung und Reflexion
Im Programmjahr 2025 rückt die Vertiefung in den Mittelpunkt: Welche Fähigkeiten brauchen Teams, um Zugehörigkeit zu stiften? Wie lassen sich räumliche, sprachliche und soziale Zugänge schaffen? In Praxisformaten – von zwei Coachings je Team über kollegiale Coffee Breaks bis zu Impulsen – werden Anstöße in den Arbeitsalltag übersetzt.
„Das relevante Museum“ zeigt, wie gemeinsames Lernen Haltung verändert – und Praxis. Der rote Faden der vergangenen fünf Jahre: Relevanz zeigt sich in Beziehungen zum Publikum und zur Gesellschaft, nicht in Besucherzahlen allein. „Es gibt nicht das eine Modell für ein relevantes Museum“, heißt es in der Evaluation. Genau deshalb braucht es Räume, in denen verschiedene Modelle entstehen, geteilt und verankert werden – damit Museen Orte bleiben, in denen sich mehr Menschen wiederfinden.

Fotos: Nanine Renninger (2), Michael Jungblut, Stiftung Historische Museen Hamburg