Schulmaterialien und Lernhilfen für den Bildungsmonitor 2026. Schulmaterialien und Lernhilfen für den Bildungsmonitor 2026.

Bildungsmonitor 2026: Mehr Ehrgeiz braucht der Norden

Seit 22 Jahren misst der Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) die Qualität der Schulsysteme in den 16 deutschen Bundesländern anhand von zahlreichen Handlungsfeldern und Indikatoren. Und seit vielen Jahren rangiert unter den norddeutschen Bundesländern Bremen ganz am Schluss, Hamburg auf einem respektablen dritten Platz, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein im Mittelfeld – warum ist das so?

Für den sehr guten dritten Platz der Elbmetropole sorgen unter 13 Handlungsfeldern und 98 Indikatoren des Bildungsmonitors eine Reihe von Punkten, herausstechend sind vor allem zwei: Nirgendwo in Deutschland wird für Grundschülerinnen und Grundschüler mehr Geld in die Hand genommen, wird Sprache auf allen Schulniveaus derart gut gefördert und nirgendwo reicht die Ganztagsbetreuung sonst an 100 Prozent heran (s. Grafiken) – eine Entwicklung, die in Hamburg bereits vor 20 Jahren eingeleitet und bis heute fortgeführt wurde. Diesen und anderen Positiv-Faktoren stehen aber auch Defizite gegenüber: Hamburg muss noch mehr für die Integration tun und den Bildungserfolg junger Menschen stärker von der sozialen Herkunft entkoppeln. Auch braucht es mehr Aufmerksamkeit, um Mindeststandards in den zentralen, übergreifenden Kompetenzbereichen zu erreichen.

Übersicht der Bundesländer im Gesamtranking mit Platzierungen.

Thomas Küll, Abteilungsleiter Bildung, Arbeitsmarkt, Fachkräfte und Mitglied der Geschäftsleitung, kommentiert: „Hamburg investiert langjährig, kontinuierlich und intensiv in Bildung. Der erneute Spitzenplatz ist ein starkes und wichtiges Signal für den Wirtschafts- und Forschungsstandort Hamburg. Seitens der Metall- und Elektroindustrie begrüßen wir diese stetige Entwicklung natürlich sehr und hoffen, dass Hamburg diesen Kurs auch zukünftig konsequent weiterverfolgt.“

Gleichwohl führen in Bremen teilweise vergleichbare Investitionen (Platz drei für Grundschülerinnen und Grundschüler; Platz elf für die Ganztagsbetreuung) seit mehr als einer halben Dekade zu einem desaströsen, weit abgeschlagenen 16. Platz bei der Bildungsarmut (s. Grafik). In den neunten Klassen findet sich in Bremen das geringste Bildungsniveau in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften. Gleiches gilt für die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler. Bremen schafft es demnach nicht, die jungen Menschen ausreichend mit den für den Arbeitsmarkt entscheidenden Grundkompetenzen auszustatten. Somit bilden die betroffenen Jugendlichen eine sehr hohe Risikogruppe ohne verlässliche Zukunftsperspektive und mit nur sehr schweren Anschlussmöglichkeiten. Thomas Küll: „Bremen gefährdet auf diese Weise seinen guten Ruf im Bereich der Hochschulen und schneidet zudem seinen eigenen Nachwuchs ab. Insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklungen wird darüber hinaus der lokale Arbeitsmarkt stark geschwächt – ein alarmierendes Signal für die ansässige Wirtschaft.“

Grafik zeigt Bildungsarmut in deutschen Bundesländern, Fokus auf Schleswig-Holstein.

Die drei anderen norddeutschen Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein rangieren im Gesamtranking 2026 auf den Plätzen acht (plus eins), zehn (unverändert) und neun (minus eins). Während der Nordosten vor allem von strukturellen Veränderungen etwa bei der Ganztagsbetreuungsquote profitiert, schwächelt Niedersachsen weiter bei der Internationalisierung durch Fremdsprachenunterricht, und der hohe Norden leidet unter vergleichsweise vielen Schulabbrechern.

Prozentsatz der Grundschüler in Ganztagsschulen nach Bundesländern.

„In der Wirtschaft brauchen wir – mehr denn je – gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte, die die massiven Veränderungen unserer Wirklichkeit im Blick behalten. Insbesondere im MINT-Bereich, in der Wissensarbeit und auf allen Bildungsniveaus. Bildungspolitisch müssen wir uns im gesamten Norden die Frage stellen, ob wir bisher alles getan haben, um jungen Menschen eine verlässliche Perspektive zu geben und um die Nachwuchssicherung am Standort auf strategisch sichere Beine zu stellen. Mit einem klaren ‚ja‘ sollten wir aus meiner Sicht noch vorsichtig sein“, resümiert Thomas Küll.

Illustrationen: Adobe Stock (Kopgz-41, Olga, LanaSham)

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