Teils sonnig mit böigem Wind aus Südwest – besser hätte das Wetter zur Forderungsübergabe der IG Metall Küste am 25. September vor dem Haus der Wirtschaft (HdW) in der Hamburger City Nord kaum sein können. Rund 70 Gewerkschaftsmitglieder waren – einer langjährigen Tradition folgend – zum Start der Tarifrunde vor das Gebäude von NORDMETALL gezogen, um ihre Forderungen vorzutragen. Fünf Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem angestrebt: Beschäftigungssicherung sowie eine tarifliche Gewinnbeteiligung für prosperierende Betriebe und eine soziale Komponente für einkommensschwächere Beschäftigte und Auszubildende.

Damit Industrie Zukunft hat
Dr. Peter Schlaffke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer von NORDMETALL, begrüßte die Menge mit den Worten: „Wir Arbeitgeber sind uns im Grundsatz mit der IG-Metall-Spitze einig: Der Industriestandort Deutschland ist in Gefahr. Uns läuft die Zeit davon, Produktion und Arbeitsplätze zu sichern.“ Passend dazu überreichte der NORDMETALL-Chefjurist dem Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, eine überdimensionale Sanduhr aus Metall. Eingraviert das Motto der M+E-Arbeitgeber: „Kosten senken, Standort retten! Damit Industrie Zukunft hat.“
Schlaffke betonte in seiner Antwort auf mehrere Reden von Gewerkschaftern, dass es vieles gebe, das weder die Gewerkschaft noch die Arbeitgeber ändern könnten: zu hohe Energiepreise und Steuern in Deutschland, wuchernde Bürokratie und den scharfen internationalen Wettbewerb vor allem durch China sowie die schädliche US-Zollpolitik. „Eine der wichtigsten Einflussgrößen der Sozialpartner sind die Arbeitskosten“, folgerte Schlaffke. „Und hier fordert die Gewerkschaft schlicht zu viel.“ Damit verkenne die IG Metall Küste die schwierige Lage auch für die deutliche Mehrheit der norddeutschen Betriebe.


Interner Standortwettbewerb entscheidet
NORDMETALL-Tarifverhandlungsführerin Lena Ströbele hatte bereits bei Bekanntwerden der Gewerkschaftsforderung konstatiert: „Auch volle Auftragsbücher sind keine Garantie für zukunftsfeste Arbeitsplätze. Denn wohin die Aufträge am Ende vergeben werden, entscheidet der interne Standortwettbewerb, basierend auf dem externen Kostendruck. Und in dem schneiden ausländische Fertigungs- und Arbeitsstätten oft besser ab.“ Zuletzt habe jedes vierte Unternehmen geplant, Produktion ins Ausland zu verlagern. Die Abwanderung bleibe zudem nicht auf die Fertigung beschränkt; inzwischen seien auch Forschung und Entwicklung andernorts deutlich rentabler, so Ströbele, die zudem Geschäftsführerin der Lürssen Maritime Beteiligungen GmbH & Co. KG ist.


Erfolg darf nicht bestraft werden
Die Gewerkschaftsforderung nach einer tariflichen Gewinnbeteiligung lehnt NORDMETALL grundsätzlich ab. „Wer Erfolg bestraft, gefährdet den Flächentarifvertrag“, hielt Dr. Peter Schlaffke den Gewerkschaftsmitgliedern vor. Ein Tarifvertrag regle Mindestbedingungen und sei daher der falsche Ort für einen zusätzlichen Einkommensbonus.
Schlaffke kündigte an, in aller Ruhe über die Forderung zu sprechen und einen für alle vertretbaren Kompromiss finden zu wollen. Dazu gebe es in der ersten Verhandlungsrunde am 8. Oktober in Hamburg-Bergedorf Gelegenheit, gefolgt von einer weiteren, die voraussichtlich am 27. Oktober in Oldenburg stattfindet.
Live dabei: Unser Video der Forderungsübergabe.
Reaktionen auf „Automobil-Aktionstag“
Mehr als 7.000 Beschäftigte sollen dem Aufruf der IG Metall Küste gefolgt sein und sich am 21. September nach Gewerkschaftsangaben an einem „Automobil-Aktionstag“ beteiligt haben. NORDMETALL warnte vor einer Eskalation: „Die drängenden Fragen der Transformation lösen wir nicht auf der Straße. Wir brauchen einen sachlichen Dialog über die Zukunftsfähigkeit der Automobilindustrie, der die Kostenstrukturen ebenso in den Blick nimmt wie die Innovationskraft“, so Dr. Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer von NORDMETALL. (BiB)
Video-Tipp: Das Radio-Bremen-Magazin buten un binnen berichtet über den Automobil-Aktionstag. Link: https://bit.ly/streik_video
Fotos: Reimo Schaaf