Erstmals wurden 2022 rund 1.000 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 11 bis 13 zwischen Hamburger Umland und Flensburg nach ihren Wünschen für Arbeit und Zukunft befragt, ebenso Geschäftsführungen sowie Personal- und Ausbildungsleitungen aus nahezu 100 Betrieben nach ihren Erwartungen an potenzielle Nachwuchskräfte. Damals gaben nur zwei Drittel der jungen Menschen an, Schulpraktika als wichtiges Instrument der beruflichen Orientierung anzusehen, in diesem Jahr sind es 91 Prozent – ein wichtiger Erfolg auf dem Weg zur gelungenen Berufsorientierung.

Schulische Berufsorientierung ausbaufähig
Deren Qualität in den Schulen wird von den Unternehmen nur mit der Schulnote 3,0 bewertet, die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten geben mit 2,7 eine kaum bessere Note. Die Einschätzung der Bedeutung von Schulfächern geht zwischen Jugendlichen und Unternehmensverantwortlichen weit auseinander, ein Phänomen, das sich innerhalb von vier Jahren kaum verändert hat.
Auch die starke Unterschätzung der guten Verdienstmöglichkeiten in der Metall- und Elektroindustrie durch junge Menschen hat sich seit 2022 kaum verbessert – es bleibt Aufgabe der Industrie, hier Informationslücken zu schließen. Bei den Rahmenbedingungen für gute Arbeit unterscheiden sich die Wünsche von Jungen und Mädchen teilweise sehr stark, bei der Zuversicht bricht der Wert unter den männlichen Jugendlichen gegenüber der Befragung von vor vier Jahren drastisch ein.
Auf 87 Prozent deutlich gestiegen ist die generelle Bereitschaft der potenziellen Nachwuchskräfte, unter bestimmten Bedingungen Überstunden zu leisten (2022: 79 Prozent). Schleswig-Holsteins Mädchen wollen heute fast zur Hälfte in Vollzeit arbeiten (41 Prozent 2022). Führungsverantwortung können sich 55 Prozent der Jungen, aber nur 32 Prozent der Mädchen vorstellen.

Duales Studium gewinnt massiv an Attraktivität
Das duale Studium ist in den vergangenen vier Jahren deutlich beliebter geworden: Zwar belegt bei den Plänen für die Zeit nach dem Abitur das klassische Hochschulstudium mit 40 Prozent weiter Platz eins, jedoch gewinnt das duale Studium deutlich an Attraktivität: 81 Prozent der Jugendlichen bewerten ein duales Studium als attraktiv (2022: 70 Prozent). Für die Betriebe und Kooperationspartner wie die NORDAKADEMIE bietet dies enorme Chancen zur frühzeitigen Fachkräftesicherung.
Prof. Dr. Stefan Wiedmann, Präsident und Vorstand NORDAKADEMIE sowie Vorsitzender der NORDAKADEMIE-Stiftung, resümiert: „Das ist ein starkes Signal. Es belegt, dass das duale Studium vielen Jugendlichen genau die Antworten gibt, die sie in einer zunehmend unbeständigen Welt suchen. Junge Menschen wünschen sich heute einen klaren Weg und echte Praxisnähe. Genau das bietet das duale Studium.“
Thomas Küll, Abteilungsleiter Bildung, Arbeitsmarkt und Fachkräfte sowie Mitglied der Geschäftsleitung bei NORDMETALL, ergänzt: „Die Jugend in Schleswig-Holstein will sich engagieren. Um diesen motivierten Nachwuchs für unsere Betriebe zu gewinnen, müssen wir praxisnahen Orientierungsangeboten noch mehr Aufmerksamkeit schenken.“Im kommenden Jahr planen NORDMETALL und die NORDAKADEMIE-Stiftung, die Erhebung in Hamburg fortzusetzen, wo sie 2023 erstmals stattfand.

Kerndaten & Links zur Studie:
- Alle Ergebnisse: Vollständige NORDMETALL-Jugendstudie 2026 (PDF)
- Video: Das sagen Schülerinnen und Schüler des Alster-Gymnasiums Henstedt-Ulzburg
- Top-Ergebnisse im Überblick:
- 91 Prozent der Schüler halten Praktika für unverzichtbar (2022: 66 Prozent).
- 81 Prozent finden das duale Studium attraktiv (2022: 70 Prozent).
- 87 Prozent sind bereit, Überstunden zu leisten (2022: 79 Prozent).
- Verdienst-Fehleinschätzung: Jugendliche schätzen das M+E-Einstiegsgehalt nach Ausbildung auf 2.168 Euro brutto – tatsächlich zahlen die Betriebe im Schnitt 3.401 Euro.
Illustrationen: shutterstock / Pita Studio; Claudia Timmann