Norddeutsche Bundesländer mit gemischter Bilanz

Die Ergebnisse des Bildungsmonitors 2025 zeichnen für die norddeutschen Bundesländer ein differenziertes Bild: Hamburg behauptet seine Spitzenposition, Mecklenburg-Vorpommern macht einen deutlichen Sprung nach vorn, Schleswig-Holstein verbessert sich leicht, während Niedersachsen weiter abrutscht und Bremen erneut das Schlusslicht unter allen 16 Bundesländern bildet.

Hamburg verteidigt Platz drei unter allen 16 Ländern. Besonders stark ist die Hansestadt bei Fremdsprachenunterricht, Ganztagsangeboten und Betreuungsrelationen. Schwächen gibt es weiterhin bei der Schulqualität und der Einwerbung von Drittmitteln für Professuren. Thomas Küll, Abteilungsleiter Bildung, Arbeitsmarkt und Fachkräfte und Mitglied der Geschäftsleitung von NORDMETALL und AGV NORD, resümiert: „Hamburg zeigt, wie man sich mit einer über Jahrzehnte konsequenten und konsistenten Schulpolitik zukunftssicher aufstellt.“

→ Schleswig-Holstein steigt um zwei Plätze auf Rang acht. Positiv sind die geringe Wiederholerquote und eine vergleichsweise niedrige Bildungsarmut. Defizite bestehen hingegen bei der Akademikerquote, der Forschungsorientierung und im Bereich MINT-Wissenschaften. Thomas Küll konstatiert: „Das Land hat sich dank guter Ansätze wieder ins Mittelfeld aller Bundesländer gearbeitet. Aber Schleswig-Holstein muss seine Bildungsstrategie konsequent im Sinne der Standortsicherung weiterentwickeln.“

→ Mecklenburg-Vorpommern verbessert sich deutlich um vier Plätze auf Rang neun. Stärken liegen im Hochschulbereich, den Ganztagsangeboten und der Integration, doch der MINT-Bereich und hohe Abbrecherquoten bleiben große Baustellen. „Mecklenburg-Vorpommern verfolgt gute Ansätze und bewegt sich in einzelnen Disziplinen sogar auf den Spitzenrängen. Aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land auch große strukturelle Probleme hat“, so Thomas Küll.

→ Niedersachsen fällt um zwei Plätze auf Rang zehn zurück. Gute Ergebnisse im Hochschulbereich können die Defizite bei Ganztagsbetreuung, fehlendem frühen Fremdsprachenunterricht und der Integration ausländischer Jugendlicher nicht kompensieren. „Das Land rutscht in Richtung des letzten Drittels der 16 Bundesländer ab. Das ist eine bedenkliche Entwicklung und macht deutlich, dass die Schul- und Hochschulpolitik vor strukturellen Veränderungsanforderungen steht“, sagt Thomas Küll.

→ Bremen landet zum fünften Mal in Folge auf dem letzten Platz, als Schlusslicht in vier von 13 Kategorien der Untersuchung. Nirgendwo sonst in einem deutschen Bundesland ist die Bildungsarmut so hoch, die Schulqualität so schlecht, die Förderinfrastruktur so schwach und die Ausgabenpriorisierung so unangemessen. Spitzenreiter ist das Land nur bei der Akademikerersatzquote (Relation der Hochschulabsolventen zu der 15- bis 65-jährigen Bevölkerung mit einem Hochschulabschluss) sowie beim Anteil der MINT-Wissenschaftler am gesamten wissenschaftlichen Personal. Gleichwohl resümiert Thomas Küll: „In Bremen muss der Blick auf das große Ganze gerichtet werden – verbunden mit einem grundsätzlichen Haltungswechsel in der Bildungspolitik.“

Der Bildungsmonitor für alle 16 Bundesländer wird vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln seit 2004 im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt, inzwischen zum 22. Mal. Die anhand von 13 Handlungsfeldern und 98 Indikatoren gefertigte Studie ermittelt, inwieweit ein Bundesland die Bildungsteilhabe verbessert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert. Thomas Küll fordert nach der durchwachsenen Bilanz dieses Jahres: „Um den Bildungsstandort Norddeutschland und damit die Zukunftsfähigkeit des ganzen Landes zu sichern, braucht es jetzt konsequente Investitionen in Qualität, Chancengerechtigkeit und Fachkräftesicherung.“

Fotos: Adobe Stock (BALOCH, Who is Danny, warunthorn, Abdulloh)

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