Wenn aus Fragen Sessions werden

Mehr als 100 Menschen haben das erste MINT-Barcamp in Bremen besucht. Ihr Ziel: Schule, Digitalisierung und Teilhabe neu denken. Wichtigste Erkenntnis: Gute MINT-Bildung entsteht dort, wo Wissen geteilt und Perspektiven verbunden werden.

Es wird unruhig im Haus der Wissenschaft in Bremen. 15 Personen treten nacheinander ans Mikrofon, haben jeweils nur 30 Sekunden Zeit, um für ihre Session zu begeistern. Unter den mehr als 100 Zuhörerinnen und Zuhörern sind Lehrkräfte, außerschulische Bildungsakteure und rund 25 Schülerinnen und Schüler. Binnen weniger Minuten entsteht ein Programm, das so vielfältig ist wie MINT-Bildung selbst.

Das erste MINT-Barcamp im Land Bremen dauert rund sechs Stunden – und lebt von seinen sogenannten Teilgebenden. Ein Barcamp ist ein offenes Veranstaltungsformat. Das Programm entsteht vor Ort aus den Themen, Fragen und Impulsen der Menschen, die dabei sind. Genau darin liegt die Stärke dieses Tages. Die vorgeschlagenen Sessions machten sichtbar, wie breit und dynamisch die MINT-Bildung in Bremen und Bremerhaven aufgestellt ist.

Vielfalt mit Praxisbezug

Die Themen an diesem Tag Anfang März reichen von App-Entwicklung über berufliche Orientierung, offene Werkstätten, sogenannte Makerspaces, und Experimentierformate bis hin zu mehrsprachigem Mathematikunterricht und der Frage, wie grundlegende Kompetenzen in MINT-Fächern besser aufgebaut und erhalten werden können. Es geht nicht um abstrakte Zukunftsbilder, sondern um konkrete Erfahrungen aus Unterricht, außerschulischen Lernorten und Bildungsprojekten – und immer wie der auch darum, wie junge Menschen früh erleben können, wie nah MINT-Themen an ihrem Alltag und ihren späteren beruflichen Möglichkeiten sind. „Die Auswahl fiel gar nicht leicht, weil so viele spannende Themen parallel liefen“, resümiert eine Lehrkraft aus dem Netzwerk „MINT-Schule“ der NORDMETALL-Stiftung. „Das zeigt, wie viel sich im MINT-Bereich bewegt – und wie wichtig es ist, Wissen miteinander zu teilen.“

Wie anschaulich MINT-Bildung sein kann, zeigt etwa eine Session zu einem Educational Escape Game über Korallenriffe. Nach einer kurzen Einführung wird es praktisch: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stecken die Köpfe zusammen und diskutieren, wie sich wissenschaftliche Inhalte spielerisch vermitteln lassen. Das Format, entwickelt am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung, verbindet Wissen mit Teamgeist – und macht an diesem Vormittag greifbar, auf welche Weise Lernen nicht nur informativ, sondern auch motivierend und gemeinschaftsstiftend sein kann.

Ein anderes Praxisfenster öffnet Jörn Frankenfeld mit seiner Session „Vom Unterrichtsalltag in den App Store“. Der Lehrer berichtet, wie er mithilfe von Künstlicher Intelligenz Schritt für Schritt eine App für den Anfangsunterricht Mathematik entwickelt hat – ohne klassische Programmierausbildung, aber mit einer konkreten Idee, viel Ausdauer und der Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Ein ehrlicher Einblick in Versuche, Fehler und Fortschritte. „Ich nehme konkrete Ideen mit, die ich direkt weiterdenken kann“, sagt eine weitere Lehrkraft. „Besonders spannend war für mich, wie zugänglich App-Entwicklung plötzlich wirkt.“

MINT sichtbar machen: Lehrkräfte testen in einer Sketchnotes-Session, wie sich komplexe Inhalte kreativ und leicht verständlich visualisieren lassen.
Auftakt im Haus der Wissenschaft: Mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden begrüßt.

Ideen, die weiterwandern

Getragen wurde dieses erste MINT-Barcamp von mehreren Partnern, darunter der Senator für Kinder und Bildung Mark Rackles (SPD), das Landesinstitut für Schule, die Universität Bremen, das MINTforum Bremen, das Schulamt Bremerhaven und die NORDMETALL-Stiftung. Das Format passt gut zur Förderlogik der Stiftung: „MINT-Bildung wird dann stark, wenn sie nah an der Praxis ist und unter schiedliche Menschen ihre Perspektiven einbringen“, sagt Jannike Bohlen, Projektkoordinatorin der NORDMETALL-Stiftung. „Genau dafür braucht es Räume, in denen Ideen offen geteilt und weiterentwickelt werden.“

Besonders ist an diesem Tag nicht nur die Themenvielfalt, sondern auch die Atmosphäre: dynamisch, freundlich, konzentriert. Nach dem Auftakt im Haus der Wissenschaft geht es weiter ins Forum am Domshof. Dort wechseln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen Räumen und Gesprächsrunden hin und her, schauen in verschiedene Angebote hinein und nehmen neue Kontakte mit. Eine Stimme aus dem Teilnehmerkreis bringt es am Ende auf den Punkt: „Nur so funktioniert ein Netzwerk: Wissen geben, Wissen nehmen. Daraus entsteht eine Lernkultur, in der neue Ideen keimen können.“

Der Auftakt des MINT-Barcamps in Bremen ist gelungen – da sind sich an diesem Tag alle einig. Was bleibt, sind nicht nur 15 Sessions und viele Notizen, sondern vor allem Ideen, die weiterwandern: in Schulen, in außerschulische Lernorte, in Netzwerke und neue Kooperationen.

Wissenschaft trifft Teamgeist: Eine Teilnehmergruppe erprobt ein Escape Game zu Korallenriffen.
„Lehren und Lernen im digitalen Wandel“ (oben): Keynote von Mike Bernd, Projektleiter MINT-Campus.
Mathematik und Sprache (l.): Maimuna Sallah stellt coach@school vor.

Fotos: SKB Bremen

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