Arbeitsschutz nimmt in der Arbeit der Abteilung „Tarifrecht und Arbeitsorganisation“ traditionell einen hohen Stellenwert ein. Dies fußt auf dem Anspruch von NORDMETALL, den Mitgliedsunternehmen die bestmögliche Unterstützung anzubieten, um den betrieblichen Arbeitsschutz auf einem hohen Niveau zu etablieren.
Im Arbeitsschutz vereint sich die Stärke der Abteilung, da NORDMETALL die Anfragen sowohl mit juristischem als auch arbeitswissenschaftlichem Sachverstand bearbeitet. Darüber hinaus ist der Verband über die Mitwirkung im Ausschuss für Arbeitssicherheit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin am „Puls der Zeit“. Diese Kette „vom Betrieb bis in die Politik“ funktioniert in beide Richtungen. Dies setzt jedoch voraus, dass NORDMETALL regelmäßig die Bedarfe der betrieblichen Akteure erkennt. Zu diesem Zweck wurde vor mehr als 20 Jahren das Netzwerk „Praxistreff Arbeitsschutz“ etabliert.
In der gemeinsamen Arbeit des Netzwerks ist der Fokus klar: Die Wirksamkeit von Arbeitsschutzmaßnahmen hängt nicht allein von gesetzlichen Vorgaben oder technischen Schutzmaßnahmen ab, sondern wird wesentlich durch organisatorische, personelle und kulturelle Faktoren beeinflusst.
Im Jahr 2026 haben aus diesem Netzwerk heraus Fachkräfte für Arbeitssicherheit (SiFas) an einer Studie teilgenommen. Die qualitativen Experteninterviews wurden im Auftrag von NORDMETALL durch Masterstudierende der FH Westküste unter der Leitung von Prof. Dr. Tim Warszta durchgeführt. Ihr Ziel: die bislang nur begrenzten praxisnahen Erkenntnisse zu unterfüttern, wie SiFas ihre eigene Rolle im betrieblichen Alltag wahrnehmen und welche Herausforderungen sie dabei erleben.
Im Rahmen dieser Studie wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die folgenden drei Leitfragen gestellt:
- Wie beschreiben SiFas ihr Rollenverständnis und welche Herausforderungen prägen ihre Tätigkeit im betrieblichen Alltag?
- Welche Faktoren tragen aus Sicht von SiFas zu einer erfolgreichen Umsetzung von Gefährdungsbeurteilungen bei?
- Welche externen Rahmenbedingungen und Entwicklungen würden SiFas die Ausübung ihrer Tätigkeit künftig erleichtern?
Erste Ergebnisse zeigen, dass insbesondere bei der Erfassung der psychischen Belastung bei der Arbeit im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach wie vor viel Aufklärungsbedarf besteht. Die SiFa kann und soll die vielfältigen Arbeitsschutzthemen nicht allein umsetzen. Insofern steht und fällt die Wirksamkeit ihrer Arbeit mit der Vernetzung im Betrieb und der Einstellung der Führungskräfte. Erfolgreiche SiFa-Arbeit bedeutet, sich immer wieder als kompetente Ansprechperson zu positionieren und gemeinsam mit den Fachabteilungen pragmatische Lösungen zu entwickeln. Das regelmäßige Reflektieren der eigenen Rolle und die Entwicklung eines klaren Profils, das auch die Grenzen abbildet und Schnittstellen sowie Erwartungen an die Fachbereiche beschreibt, können dazu beitragen, das Arbeitsschutzniveau auf ein höheres Level zu heben. Eine Zusammenfassung der Studienergebnisse wird im November in der Zeitschrift WERKWANDEL des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) veröffentlicht.
Illustrationen: Adobe Stock (Oksana, Luna)