M+E-Betriebe kämpfen mehr denn je um Azubis

Auszubildende zu gewinnen, wird für die norddeutschen Metall- und Elektrobetriebe immer schwieriger: 82 Prozent der Unternehmen verzeichnen zu geringe Bewerbungseingänge.

Geeigneten Nachwuchs zu finden, ist für viele Industriebetriebe zur sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen geworden. Das belegen Zahlen der aktuellen Ausbildungsumfrage von NORDMETALL und AGV NORD. Mit 82 Prozent verzeichnen fast doppelt so viele Betriebe zu geringe Bewerbungseingänge wie noch 2016, dem Jahr, in dem die Arbeitgeberverbände ihre Ausbildungsumfrage zum ersten Mal durchgeführt haben. Seitdem führen die Arbeitgeberverbände diese Erhebung alle zwei Jahre durch. Von Dezember 2025 bis Januar 2026 haben sich 181 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in Bremen, Hamburg, dem nordwestlichen Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein an der Umfrage beteiligt. Sie beschäftigen aktuell rund 4.000 Auszubildende und fast 800 dual Studierende.

Auffällig in diesem Jahr: Die Zahl der Jugendlichen, die ihren Ausbildungsplatz nicht antreten, liegt mit 18 Prozent um sieben Prozent höher als in der letzten Umfrage Ende 2023. Immerhin ist die Anzahl der ungeeigneten Bewerbungen mit nur noch 54 Prozent stark rückläufig (2023: 82 Prozent). Und nur noch sieben Prozent der Auszubildenden brechen ihre Ausbildung ab, im Jahr 2023 waren es noch 20 Prozent.

Die teilnehmenden Unternehmen nennen als beliebteste Ausbildungsberufe in der norddeutschen M+E-Industrie Mechatroniker (582 Azubis), Industriemechaniker (523), Konstruktionsmechaniker (439) und Industriekaufleute (352). Während die Anzahl der weiblichen Auszubildenden unter den ersten drei Berufen unter zehn Prozent liegt, beläuft sie sich bei den Industriekaufleuten fast auf die Hälfte.

Die befragten Unternehmen übernehmen ihre Auszubildenden mit 74 Prozent zu fast drei Vierteln unbefristet (höchster Wert seit 2016), zu 17 Prozent befristet. Nur neun Prozent der jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden nicht übernommen. Der Grund für die Nicht-Übernahme ist zu 70 Prozent die Erkenntnis, dass Betrieb und Azubi nicht zusammenpassen.

Die Unternehmen nutzen ein breites Spektrum an Rekrutierungskanälen, um Jugendliche zu erreichen – von der eigenen Website (94 Prozent) über Stellenportale oder Schulpraktika (jeweils 82 Prozent), Online- oder Präsenz-Messen (76 Prozent) sowie Social-Media-Kanäle (64 Prozent) und betriebliche Schülertage und andere Schulkooperationen (61 Prozent).

Auch an deutschlandweiten Initiativen zur Nachwuchsgewinnung wie dem jährlich am 23. April stattfindenden Girls‘ Day beteiligen sich die Unternehmen der norddeutschen M+E-Industrie rege (59 Prozent). Ihre Zusammenarbeit mit allgemeinbildenden Schulen wollen zwei Drittel der Betriebe intensivieren, 49 Prozent die mit beruflichen Schulen und 30 Prozent die mit Hochschulen, um mehr Auszubildende und dual Studierende zu gewinnen. Unter den 790 dual Studierenden in den an der Umfrage beteiligten Unternehmen sind Maschinenbau (174), Wirtschaftsingenieurwesen (145), Elektrotechnik (129) und Mechatronik (106) die beliebtesten Fächer. Der Frauenanteil liegt bei 16 Prozent.

Thomas Küll, Mitglied der Geschäftsleitung von NORD METALL und AGV NORD, resümiert: „Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie bieten jungen Menschen hervorragende Perspektiven in zukunftsweisenden Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen. Dies gilt auch und insbesondere für Mädchen. Die Ausbildungsumfrage bekräftigt uns darin, diese Berufswege noch mehr ins Rampenlicht zu stellen und gemeinsam mit der Politik an einer qualitativ hochwertigen Berufsorientierung zu arbeiten.“

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