NORDMETALL-Blitzumfrage zur USA-Handelspolitik

Unsere Grafik des Monats April 2026 zeigt: Die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie blickt mit wachsender Sorge auf die Handelspolitik der USA.

Der Handelsaustausch mit den USA befindet sich im Spannungsfeld zwischen zunehmendem Protektionismus und verlässlicher operativer Praxis. Während politische Weichenstellungen und drohende Zölle das Risikobewusstsein der norddeutschen M+E-Wirtschaft schärfen, erweist sich das reale Fundament der Wirtschaftsbeziehungen als erstaunlich robust. Ein genauer Blick auf die Ergebnisse der aktuellen Umfrage unter 147 Mitgliedsbetrieben von NORDMETALL und AGV NORD offenbart, wo die drängendsten Belastungen liegen und wo ungenutzte Resilienzpotenziale reifen.

Sorgenfalten beim Export und Personalaustausch

Die Befürchtungen bezüglich künftiger Verschlechterungen im operativen Alltag haben in allen abgefragten Kategorien spürbar zugenommen:

  • Exportchancen unter Druck: Den extremsten Sprung verzeichnen die weltweiten Exportchancen für eigene Produkte: Hier erwarten inzwischen 34 Prozent eine Verschlechterung – ein Vervierfachung gegenüber 9 Prozent im Jahr 2016.
  • Hürden beim Marktzugang: Die Sorge vor erschwertem Marktzugang in die USA stieg auf den Höchstwert von 46 Prozent (2016: 39 Prozent).
  • Bürokratie und Personalaustausch: 38 Prozent der Befragten befürchten Einschränkungen beim freien Personalaustausch mit US-Betrieben (2016: 23 Prozent).
  • Lokalisierungsdruck und Cyberrisiken: Der Zwang, direkt in den USA produzieren zu müssen, wird von 36 Prozent als Risiko gesehen (2016: 29 Prozent), während die Sorge vor Cyberangriffen auf 37 Prozent kletterte (2016: 30 Prozent).

Deutliche Eintrübung der Wahrnehmung

Im Zehnjahresvergleich hat sich das Urteil der norddeutschen M+E-Betriebe über die US-Handelspolitik drastisch verschärft:

  • Massiver Stimmungsumschwung: Stufte im Jahr 2016 noch eine Mehrheit von 54 Prozent die Politik als neutral ein, gaben 2026 nahezu alle Betriebe ein klares Votum ab.
  • Negative Bewertung dominiert: Der Anteil der Unternehmen, die die US-Handelspolitik als „schlecht/schädlich“ (49 Prozent) oder „eher schlecht“ (37 Prozent) bewerten, summiert sich auf 86 Prozent.
  • Ausfall von positiven Impulsen: Lediglich 1 Prozent nimmt die Rahmenbedingungen noch als „eher gut“ wahr, während die Bewertung „gut/hilfreich“ auf 0 Prozent gesunken ist.

Verlässliches Fundament im direkten Handel

Trotz des verschärften Tonfalls in der Handelspolitik zeigen die realen Handelsbeziehungen eine beachtliche Kontinuität und Unaufgeregtheit:

  • Stabil hohes Absatzvolumen: 52 Prozent der norddeutschen Betriebe verkaufen weiterhin Waren in die USA (2016: 54 Prozent). Damit bleibt Nordamerika einer der wichtigsten Kernmärkte.
  • Importe und Direktinvestitionen: Der Bezug von Waren aus den USA legte leicht auf 22 Prozent zu (2016: 20 Prozent). Zudem betreiben 14 Prozent der Betriebe eigene Fertigungsstandorte in den USA (2016: 12 Prozent).
  • Rückgang bei US-Mutterkonzernen: Der Anteil an Unternehmen mit einem Mutterkonzern in den USA halbierte sich von 10 Prozent auf 5 Prozent.
  • Breite Beteiligung: Lediglich 37 Prozent der Befragten pflegen keinerlei Handelsbeziehungen in die USA (2016: 40 Prozent).

Während die politischen Rahmenbedingungen den Druck auf globale Lieferketten maximieren, erweist sich die reale operative Vernetzung norddeutscher Industriebetriebe mit den USA bislang als bemerkenswert krisenfest.

Strategische Weichenstellung für den Standort

Die Ergebnisse verdeutlichen: Die norddeutsche M+E-Industrie steht im US-Geschäft operational weiterhin auf einem sehr soliden Fundament. Allerdings verfehlen die zunehmenden protektionistischen Tendenzen und drohenden Zölle ihre Wirkung nicht und belasten die Planungssicherheit der Betriebe spürbar. Um im globalen Wettbewerb widerstandsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen ungenutzte Potenziale bei der Diversifizierung von Absatzmärkten konsequent heben. Gleichzeitig fordert die Entwicklung den Wirtschaftsstandort heraus, die eigene Innovationskraft zu stärken und Handelsabkommen auf europäischer Ebene aktiv voranzutreiben, um politische Risiken im Amerikageschäft wirksam abzufedern.

Quelle: Umfrage vom 26.01.2026-04.02.2026, Teilnahme 147 Mitgliedsbetriebe von NORDMETALL und AGV NORD

Illustrationen/Fotos: iStock/Golden Sikorks, sorbetto

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