Geht das mit ERA nicht schneller?
Die Antwort lautet ja. Das Erfolgsrezept: ein richtiger methodischer Umgang mit Aufgabenbeschreibungen – und zugleich der Blick auf die emotionalen Aspekte, die mit einer Bewertung verbunden sind: „Was ist meine Arbeit wert?“ oder „Wo stehe ich im Vergleich zu anderen?“
Zur methodischen Anwendung heißt es im Tarifvertrag zum Entgeltrahmenabkommen (ERA TV): „Grundlage der Eingruppierung sind die Anforderungen aus der übertragenen Arbeit […] an die Beschäftigten. Hierbei werden alle Anforderungen, soweit sie die übertragene Arbeit im Wesentlichen prägen, in ihrer Gesamtheit bewertet.“ (vgl. § 3 ERA TV)
Dass sich ERA-Einführungen unnötig in die Länge ziehen, liegt oft am falschen Umgang mit Aufgabenbeschreibungen. Diese sind im ERA nicht vorgeschrieben. Richtig eingesetzt können sie den Prozess aber sinnvoll unterstützen. In der Praxis jedoch entstehen oft sehr ausführliche Texte. Jede einzelne Tätigkeit wird möglichst genau abgebildet. Dahinter steht der verständliche Wunsch, die Qualität der Bewertung zu sichern und zugleich bei den Beschäftigten Akzeptanz für die spätere Eingruppierung zu schaffen. In diesem Prozess sind meist unausgesprochene Emotionen im Spiel. Aufgabenbeschreibungen werden über Wochen oder gar Monate immer wieder angepasst – aus Sorge, einzelne Inhalte könnten fehlen oder falsch dargestellt sein und dadurch ein verzerrtes Bild entstehen. Schlimmstenfalls fordert der Betriebsrat die Beschäftigten zusätzlich dazu auf, ihre Tätigkeiten selbst zu dokumentieren. Diese werden dann mühevoll mit den Beschreibungen des Arbeitgebers abgeglichen.
Dabei gerät leicht aus dem Blick: 1. Die Fokussierung auf die Tätigkeiten, die ausschließlich für die Bewertung in ERA notwendig sind. 2. Der Text einer Aufgabenbeschreibung entfaltet seine Aussagekraft erst durch die gemeinsame Einordnung und Interpretation. Genau dafür braucht es eine intensive Kommunikation über die wesentlichen Inhalte. Deshalb bleibt jede Aufgabenbeschreibung – unabhängig von ihrem Umfang – vor allem ein Kommunikationsmedium, ein Anlass, um darüber zu sprechen.
In einem kürzlich abgeschlossenen ERA-Einführungsprozess hat NORDMETALL genau diesen Ansatz konsequent umgesetzt. Ausgangspunkt war eine intensive ERA-Schulung für Führungskräfte. Anschließend waren sie dafür verantwortlich, sich bei der Beschreibung der Aufgaben im jeweiligen Verantwortungsbereich auf die prägenden Tätigkeiten der jeweiligen Arbeitsaufgaben zu beschränken. Dafür stand ein einheitliches Formblatt zur Verfügung, damit alle Ergebnisse vergleichbar dargestellt werden konnten.
In einem gemeinsamen Termin mit der ERA-Projektgruppe – bestehend aus Arbeitgebervertretern und Betriebsrat – stellten die Führungskräfte ihre Inhalte vor. Anschließend wurden sie gebeten, ihre eigene Einschätzung zur Eingruppierung in Form einer Bewertungsbegründung mündlich zu formulieren. Diese Begründungen bildeten anschließend die zentrale Grundlage für die weiteren Diskussionen sowohl mit den betroffenen Beschäftigten als auch innerhalb von Führungskräfterunden.
So konnte die ERA-Projektgruppe ein vollständiges und transparentes Gesamtbild entwickeln: eine nachvollziehbare „Niveaulandschaft“, in der die unterschiedlichen Aufgaben zueinander eingeordnet werden konnten. Auch im anschließenden Reklamationsverfahren, in dem die Beschäftigten und der Betriebsrat der geplanten Eingruppierung widersprechen können, wurde dieses Vorgehen konsequent fortgeführt.
Das Ergebnis: ERA konnte in einem Unternehmen mit rund 100 Beschäftigten innerhalb von nur vier Monaten eingeführt werden – bei gleichzeitig hoher Akzeptanz aller Beteiligten.
Fotos: Adobe Stock (Oksana, VectorMine)