Große Gruppe von Menschen im Park bei Power-Event, fröhlich und motiviert. Große Gruppe von Menschen im Park bei Power-Event, fröhlich und motiviert.

WERKSTATT der MUTIGEN

In Züssow, Landkreis Vorpommern-Greifswald, kamen Ende April mehr als 100 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammen. Ihr Ziel: Netzwerke stärken, Synergien nutzen und konkrete Lösungen für die Region entwickeln.

Die Tische im Konferenzsaal sind an diesem Tag mit großen Papierbögen bedeckt. An mehreren Ecken stehen Menschen intensiv ins Gespräch vertieft, Stifte in der Hand. Sie tauschen Visitenkarten aus. Es herrscht eine besondere Arbeitsatmosphäre: keine weitschweifigen Reden, stattdessen konzentriertes Einander-Zuhören und pragmatisches Anpacken. Mehr als 100 Menschen aus Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Kirche sind am 27. April im Hotel Ostseeländer in Züssow zusammengekommen. Nicht, um Vorpommern einmal mehr über seine Probleme zu beschreiben, sondern um mithilfe konkreter Fragen Lösungen für das gesellschaftliche und soziale Miteinander zu erarbeiten: Wie bleiben Menschen in der Region? Was brauchen Vereine und Ehrenamtliche wirklich? Und wie werden diejenigen sichtbarer, die längst Verantwortung übernehmen?

Wenige Monate vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern trifft das Format einen Nerv. „Es ist wichtig, das breite Engagement zu unterstützen, das auch Lücken gefüllt hat, die über viele Jahre entstanden sind – denn das ist der Kitt unserer Gesellschaft“, betont Elisabeth Kaiser MdB (SPD), Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland.

Auch Landrat Michael Sack (CDU) rückt die Wahrnehmung der Region gerade: „Als Landrat nehme ich nicht wahr, dass wir eine strukturarme Region sind. Die Strukturen sind nur nicht immer sichtbar. Es ist viel Leben in unserer Region.“ Sein Punkt ist klar: Es geht nicht um neue Strukturen, sondern um bessere Vernetzung zwischen ihnen.

Von der Frage zur Lösung

An einem der Thementische zur Fachkräftesicherung denken die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schnell über den jeweils eigenen Tellerrand hinaus, als es um die Frage geht, was Zugezogene wirklich brauchen. Die Antworten, ganz praktisch umsetzbar: Willkommenspakete, die echte Orientierung geben. Kümmerer-Strukturen, das heißt Personen oder kleine Teams, die zugewanderte Menschen aktiv in Nachbarschaften und Vereine einbinden. Außerdem Rückkehrer-Stammtische, Unternehmerstammtische, Welcome Center. Der Gedanke dahinter ist simpel und stark: Wer Menschen holen will, muss sie auch willkommen heißen. Ein zweiter Tisch widmet sich der Frage, wie man die Gestalterinnen und Gestalter der Region nach außen sichtbarer macht. Die Runde ist überzeugt: Wer stetig nur über Probleme spricht, übersieht leicht, was bereits gelingt. Diskutiert werden kreative Beteiligungsformate: Gespräche auf Marktplätzen, Haustürformate oder gezielte Werbung für positive Beispiele im öffentlichen Raum. Ziel ist es, Orte zu schaffen, an denen Menschen jenseits ihrer üblichen Kreise miteinander ins Gespräch kommen, um die eigene Region neu zu erzählen. Es geht darum, Erfolge nicht zu verstecken, sondern sie als Ankerpunkte für eine positive regionale Identität zu nutzen.

Gemeinsam eine Schippe drauflegen

Zusammen mit der RAA – Demokratie und Bildung Mecklenburg-Vorpommern e. V. öffneten die fördernden Stiftungen – ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und NORDMETALL-Stiftung – den Raum für dieses neue Format. Kirsten Wagner, Geschäftsführerin der NORDMETALL-Stiftung: „Es steht viel auf dem Spiel – gerade deshalb braucht es keine Alarmstimmung, sondern gemeinsames Handeln. Wenn Zivilgesellschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Politik an einem Tisch sitzen, können wir gemeinsam eine Schippe drauflegen: Ideen werden konkreter, Verantwortung wird geteilt und Vorpommern wird als Zukunftsregion sichtbar.“

Die Werkstatt der Mutigen Ende April hat gezeigt, dass Vorpommern nicht auf Lösungen von außen warten muss. Vieles ist da: Wissen, Erfahrung, Verantwortung, Ideen. Entscheidend ist, diese Kräfte zusammenzubringen – und ihnen Strukturen zu geben, die bleiben. Damit diese Energie nicht verpufft, bereitet das Projekt „Zukunftswege Ost – Fokusregion in Vorpommern“ die erarbeiteten Ideen weiter auf und begleitet die Akteure bei der Umsetzung. Geplant sind weitere Netzwerkveranstaltungen, um aus der einmaligen Werkstatt eine dauerhafte Kultur des Miteinanders zu gestalten.

Fotos: RAAM-V e.V., Andreas Matsche

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